Burnout oder Depression

Oftmals werden Depressionen und ein Burnout für dieselbe Erkrankung gehalten – dies jedoch zu Unrecht. Richtig ist es, dass ein Burnout häufig von depressiven Episoden begleitet wird. Depressive Verstimmungen über einen gewissen Zeitraum hinweg wiederum werden ebenso gerne mit einem Burnout verwechselt. Da es sich hierbei aber um zwei verschiedene Krankheiten handelt, ist es wichtig, eine genaue Abgrenzung zwischen einem Burnout und depressiven Verstimmungen zu ziehen.

Burnout-Symptome sind kontext bezogen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen ist, dass ein Burnout häufig kontext-bezogen auftritt. Es lässt sich also eine Ursache für das Auftreten der Burnout-Symptome erkennen. Depressive Episoden hingegen sind eher als kontext-frei zu charakterisieren und können sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens betreffen und sich auf diese auswirken.

Im Gegensatz zu den Leiden bei der Depression, treten bei einem Burnout auch beschwerdefreie Phasen auf.

Depressionen haben ausdauernden Charakter

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen: Während Personen, die unter Burnout-Symptomen leiden, teilweise auch beschwerdefreie Phasen durchleben, treten depressive Verstimmungen ausdauernd auf.

Unterschiedliche Symptome

Auch die Qualität der Gemütszustände ist bei Depressionen und einem Burnout unterschiedlich. Personen, die von einem Burnout betroffen sind, fühlen sich häufig müde, schlapp, abgeschlagen, aber auch gleichzeitig nervös und innerlich unruhig. All diese Symptome wurden früher mit dem Ausdruck „reizbare Schwäche“ zusammengefasst. Diese emotionale Zerrissenheit lässt sich bei Depressionspatienten in der Regel nicht beobachten.

Innere Kämpfe gegen sich selbst

Auch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen einem Burnout und einer Depression betrifft die emotionale Verfassung der Betroffenen. Viele Personen, die unter einem Burnout leiden, beschreiben bestimmte Phasen während der Erkrankung wie einen Kampf gegen sich selbst oder gegen die berühmten Windmühlen. Allerdings werden die Kämpfe gegen zu hohe Anforderungen an die eigene Person in der frühen Krankheitsphase nicht als solche wahrgenommen.

Dies erklärt auch, warum die Betroffenen immer weiter gegen sich selbst kämpfen, denn wenn sie dies erkennen würden, wüssten sie, dass sie gegen sich selbst ja nicht als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen können. In der Folge kommt es zu einer immer größeren Erschöpfung und schließlich zu einer Kapitulation. Bei Depressionen ist dieses Phänomen hingegen in der Regel nicht zu beobachten. Erschöpfungszustände und Antriebslosigkeit sind bei depressiven Episoden eher der Startpunkt und nur selten die Folge aus.

Je weiter der Fortschritt der Krankheit, umso schwieriger die Unterscheidung

Die Abgrenzung zwischen einer Depression und einem Burnout wird im fortgeschrittenen Krankheitsstadium immer schwieriger. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die anfänglichen Probleme, die zunächst nur in einem einzelnen Bereich des Lebens aufgetreten sind, im Laufe des Burnouts immer mehr auf andere Lebensbereiche übergreifen. Während man in der Frühphase des Burnouts wenigstens über eine gewisse Zeit hinweg Abstand von den Symptomen gewinnen und Entspannung finden konnte, wird dies im weiteren Krankheitsverlauf immer schwieriger.




Die verschiedenen Phasen bei einem Burnout

Um ein Burnout von einer Depression abgrenzen zu können, ist es wichtig, sich mit dem Krankheitsverlauf bei einem Burnout zu beschäftigen. So tritt ein Burnout-Syndrom nicht von heute auf morgen aus dem sprichwörtlichen „heiteren Himmel“ auf, sondern es handelt sich um einen dynamischen Prozess. Auch wenn die Krankheit von Person zu Person verschieden ausfällt, lässt sich ein Burnout doch in drei Stadien unterscheiden:

Phase 1: Aktivität und Aggression

Die Phase 1 wird bestimmt von einem übersteigerten Aktivitätsmaß des Betroffenen. In dieser Phase haben Betroffene das Gefühl, dass sie unentbehrlich sind und sämtliche Kraftreserven mobilisieren müssen. In der ersten Phase entstehen keine aktuellen Probleme, sodass es für den Betroffenen nicht ersichtlich ist, am Anfang eines Burnouts zu stehen.

Phase 2: Abnahme der Leistungsfähigkeit

In dieser Phase sinkt die Leistungsfähigkeit der Betroffenen, was mit einer verstärkten Unzufriedenheit und einem Gefühl der Überforderung und der Austauschbarkeit einhergeht. In der Folge distanzieren sich Betroffene von ihrem sozialen Umfeld, verlieren das Interesse an ihren beruflichen Herausforderungen und flüchten sich stattdessen in einen Zustand der Passivität.

Phase 3: Enormer Leistungsdruck

Um die verringerte Leistungsfähigkeit zu kompensieren, flüchten sich Betroffene in der Endphase des Burnouts in Süchte, leiden unter Hoffnungslosigkeit und Panikattacken. Vielfach suchen Betroffene erst in diesem Endstadium der Erkrankung externe Hilfe.