Burnout – was ist das?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in einem ruhigen Waldstück spazieren. Plötzlich hören Sie ein durchdringendes Geräusch, das mit jedem Schritt lauter wird. Auf einer Lichtung sehen Sie dann einen Mann, der mit einer offensichtlich stumpfen Säge kleine, gefällte Bäume zurechtsägt. Sie sehen, dass die Arbeit sehr mühsam ist und fragen den Mann, warum er die Säge nicht schärfen lasse, um bequemer und besser arbeiten zu können. Daraufhin antwortet der Mann, dass er dafür keine Zeit habe und sowieso mit seiner Arbeit im Rückstand sei.

Diese kurze Anekdote skizziert sehr gut die erstmals im Jahr 1974 vom Psychoanalytiker Freudenberg als Burnout bezeichnete Erkrankung. Auch das gezielte Heißlaufen von Motorradreifen wird als Burnout bezeichnet. Menschen mit Burnout laufen ebenso wie die Reifen des Motorrads über einen langen Zeitraum auf hohem Niveau, während gleichzeitig die seelischen Handbremsen angezogen sind. Und wie die Motorradreifen laufen die Menschen in kurzer Zeit heiß, werden bei einem sich zusehends leerenden Tank abgerieben.

Woran erkenne ich ein Burnout?

Burnout ist durch die Symptomtrias: emotionale Erschöpfung negative Bewertung der eigenen Leistungskompetenz bzw. abnehmende Leistungsfähigkeit charakterisiert.

Vor allem Aussagen wie: „Ich habe keine Kraft mehr“ oder „Ich fühle mich leer“ begleiten oftmals die Symptomatik von Burnout.

Auslöser und Ursachen von Burnout

Burnout ist äußerst individuell. Sich stark ähnelnde Umweltbedingungen lösen bei einer Person Burnout aus, während eine andere voll Tatendrang weiter berufstätig ist. Die Umweltbedingungen setzen sich zusammen aus:

Der Verlauf eines Burnouts

Der Verlauf des Burnouts erfolgt kontinuierlich und wird oftmals in Phasen unterteilt. Hierzu existieren in der Literatur verschiedene Phasenmodelle. Ganz allgemein kann Burnout in die Phasen Aggression und Aktivität (1. Phase), Flucht und Rückzug (2. Phase) sowie Isolation und Passivität (3. Phase) eingeteilt werden. Jede der drei Phasen ist durch bestimmte Leitsymptome und Leitreaktionen seitens des Betroffenen gekennzeichnet. Da Burnout in Bezug auf Verhalten und Gefühle sehr individuell sein kann, kann nicht von einem Symptom auf die jeweils vorliegende Phase geschlossen werden.

Burnout ist lediglich in der Anfangsphase eindeutig diagnostizierbar. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen immer neue Symptome hinzu, die die Erkrankung schwer von Angststörungen oder Depressionen abgrenzen lassen. Dies ist problematisch, da sich die meisten Betroffenen gerade in der Anfangsphase ihrer Situation nicht bewusst sind. Je weiter ein Burnout fortschreitet, desto größer wird auch der Leidensdruck des Betroffenen, der bis hin zu existenzieller Verzweiflung, dem Gefühl der allgemeinen Hilf- und Hoffnungslosigkeit sowie dem leiblichen und seelischen Zusammenbruch in der Endphase, der nicht selten zum Suizid führt, reicht.

Emotionale Erschöpfung, die von Aussagen wie „Ich habe keine Kraft mehr“, „Ich fühle mich leer“„Warum mache ich das überhaupt?“ begleitet wird, ist das Kernsymptom von Burnout. Depersonalisierung geht mit einer gefühllos gleichgültigen oder zynischen Einstellung gegenüber den Mitmenschen einher. Die Leistungsfähigkeit nimmt zumeist zu Beginn kurzzeitig zu und nimmt dann langsam ab, weshalb dieses von den Betroffenen lange nicht wahrgenommen wird. Ist schließlich auch der Wille erschöpft, kommt es zu einem Zusammenbruch des individuellen Systems und die Leistungsfähigkeit nimmt schnell sehr stark ab. Hinzu kommt ein Grundgefühl der Unzufriedenheit, das alle Phasen von Burnout begleitet und die drei genannten Hauptsymptome verstärkt.

Unzufriedenheit

  • beruflicher Umwelt: Menschen, Abläufe, Vorschriften, Strukturen
  • privater Umwelt: Partner, Kinder, Verwandtschaft, Freunde, Feinde
  • gesellschaftlicher Umwelt: gesamtgesellschaftliches Klima, Sozialstrukturen, Gesetze

All diese Faktoren wirken kontinuierlich auf jeden Menschen. Die Persönlichkeit sowie die menschlichen und fachlichen Kompetenzen bestimmen das Verhalten, die Reaktion des Menschen auf die von außen herangetragenen Anforderungen oder die von innen entstehenden Bedürfnisse. Entwickelt jemand Burnout sind entsprechend immer innere und äußere Faktoren im Spiel. Ein Burnout kann insbesondere immer dann entstehen, wenn Anforderungen – persönliche, berufliche oder gesellschaftliche – nicht erfüllt werden können.